Gasabkommen zwischen Deutschland und Senegal löst Proteste von Umweltschützern aus

Gasabkommen zwischen Deutschland und Senegal löst Proteste von Umweltschützern aus

Deutschland wird Senegal dabei helfen, lokale Gasvorkommen zu fördern, um seine Abhängigkeit von russischem Öl zu verringern. Aktivisten behaupten, der Plan sei eine Bedrohung für die Klimaziele.

Yero Sarr ist ein senegalesischer Klimaaktivist, der Kompromisse für unmöglich hält. Er sagte: „Deutschland kann sich an diesem Projekt nicht beteiligen.“

Die Regierungen Deutschlands und seines Landes sehen das jedoch anders. Sarrs Widerstand gegen das Projekt betrifft riesige Gasvorkommen vor der Küste Senegals, die die rückläufige Gasversorgung Deutschlands und damit die deutsch-senegalesischen Beziehungen verstärken werden.

Im Dezember 2023 werden die ersten fossilen Gasflüsse aus den Feldern von Greater Tortue Ahmeyim erwartet.

Die senegalesische Regierung rechnet damit, im ersten Jahr 2,5 Millionen Tonnen Gas zu fördern. Die Infrastruktur für den Export fossiler Brennstoffe wird bereits aufgebaut, darunter ein schwimmendes Terminal zur Verflüssigung von Erdgas (LNG) und andere Infrastruktur.

Die senegalesische Regierung hofft, bis 2030 10.000.000 Tonnen Gas pro Jahr aus dem Feld zu fördern. Sie besteht jedoch darauf, dass sie Partner benötigt, um diese Erweiterung zu finanzieren.

Diversifizierung der Gasversorgung weg von Russland

Macky Sall, der senegalesische Präsident, erklärte, Bundeskanzler Scholz sei gebeten worden, gemeinsam mit uns den europäischen Export von Gas- und LNG-Ressourcen zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass unsere Kraftwerke dieses Gas nutzen können. Das sagte er nach Gesprächen mit Bundeskanzler Olaf Scholz im Mai.

Angesichts der anhaltenden russischen Invasion in der Ukraine und der Notwendigkeit, neue Lieferanten zu finden, unterstützt die Bundesregierung das Projekt mit erheblicher Unterstützung. Nach Angaben der deutschen Denkfabrik Agora Energiewende ist Russland für bis zu 55 % der deutschen Gasversorgung und 34 % der deutschen Ölversorgung verantwortlich.

Ersterer erklärte nach den Gesprächen zwischen Scholz und Sall, dass die Gaskooperation sinnvoll sei und mit Nachdruck vorangetrieben werden solle.

Aktivisten behaupten, die Pläne verstoßen gegen das Pariser Klimaabkommen

Die neue Gaspartnerschaft wurde sowohl von Umweltschützern als auch von Klimaaktivisten scharf kritisiert.

Sascha Müller-Kraenner, ein gemeinnütziger Umweltschützer der DUH, glaubt, dass es gegen den Geist des Pariser Klimaabkommens „verstößt“, wenn Deutschland neue Projekte für fossile Brennstoffe rund um den Globus vorantreibt.

Deutschland und andere G7-Industriestaaten hatten sich zuvor verpflichtet, die öffentliche Förderung fossiler Energieträger zu beenden und ihren Gasverbrauch zu reduzieren. Diese harte Linie wurde im Zuge der Ukraine-Krise gelockert.

Laut der Non-Profit-Organisation ist dies ein großer Rückschlag bei den internationalen Klimazielen. Sie befürchten Schlimmeres.

Müller-Kraenner erklärte, dass Gasbohrungen vor den Küsten Senegals, Mauretaniens und anderer afrikanischer Länder enorme Auswirkungen auf den lokalen Fischereisektor, die dort arbeitenden Menschen und die Umwelt haben werden.

Die senegalesische Küste beherbergt ein Meeresschutzgebiet, das zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt wurde, sowie das größte Kaltwasserkorallenriff der Welt.

Umweltschützer befürchten, dass Pipelines, Gasförderplattformen und ein geplanter Wellenbrecher in diesen sensiblen Gebieten erheblichen Schaden anrichten könnten.

Gas: Eine Brücke zur Energiewende

Die Bundesregierung unterstützt das Projekt trotzdem und will Gas erst einsetzen, wenn es seine Energie aus regenerativen Quellen beziehen kann.

Senegal habe die Möglichkeit, mit seinen Gasfeldern auf erneuerbare Energien umzusteigen, aber auch andere Länder zu beliefern, sagte Joachim Flasbarth (Juniorminister im Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) Ende Juni.

Bundeskanzler Scholz versprach bei seinem Besuch im Senegal, die Zusammenarbeit bei erneuerbaren Energien zu verstärken.

Ein Solarkraftwerk wird von der KfW, einer deutschen staatlichen Beteiligungsgesellschaft, finanziert.

Senegal möchte 30 % seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energiequellen decken. Aber Präsident Macky Sall sagt, dass Gas immer noch ein wichtiger Teil des Energiemixes sein wird. Er sagte, dass der afrikanische Kontinent 1,3 Milliarden Einwohner hat, von denen 600 Millionen keinen Strom haben.

Bei Scholz‘ Mai-Besuch sagte Sall, man müsse auch die Industrialisierung unterstützen.

Das Projekt wurde auch von Wirtschaftsvertretern unterstützt.

Es ist ein entscheidender Schritt zur Stärkung und Vertiefung der Energiezusammenarbeit mit Afrika insgesamt. Christoph Kannengießer, Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft, sagte, es sei bedauerlich, dass dies jetzt getan werde, wo wir mit akuten Problemen durch Russlands Gasknappheit konfrontiert seien.

Deutschland sei nach wie vor auf Gasimporte angewiesen und könne seinen Energiebedarf nicht vollständig aus erneuerbaren Quellen decken.

Allerdings ist unklar, wie die großen Pläne für eine deutsch-senegalesische Zusammenarbeit aussehen werden. Eine DW-Anfrage wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz bei Redaktionsschluss nicht beantwortet.

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