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Städtische Galerie zeigt Heidersberger Portraits

Blick in einen lustigen Ort

Aus einem Portrait – so sagt man – kann man die Geschichte eines Menschen aus dessen Gesicht lesen. Gut, wer da Lebenserfahrung, Menschenkenntnis und Intuition besitzt. Ansonsten bleibt alles Spekulation. Die Städtische Galerie zeigt die Geschichten der Nachkriegsmenschen in den Portraits des berühmten Fotografen Heinrich Heidersbergers in der Studioausstellung „Bufforama “ vom 1. April bis zum 24. Mai.

Briefe, Urkunden und viel Recherche belegen, welche Schicksale sich hinter den fremden Gesichtern verbergen. Klingt tragisch, war es aber nicht immer. Eigentlich hieß Heidersbergers Fotostudio „Studio 5“, doch bald nannte er es liebevoll sein „Bufforama“. Das Wort Bufforama erinnert an buffo, das italienische Wort für lustig und an Panorama, ist also der Blick in einen lustigen Ort. „Viele Frauen sind zu Heidersberger gekommen“, erzählt Anne Gonda, wissenschaftliche Volontärin der Städtischen Galerie. „Insgesamt hatte Heidersberger viel mit Frauen zu tun.“ Studio 5 im Hutfiltern 7, einer Straße im Herzen Braunschweigs, ist also früher wie heute ein lebendiger Ort der Mode.

Ernst Böhme
Ernst Böhme
Wer heute in den Hutfiltern 7 geht, sucht ein schickes Accessoire. Früher (von 1948 bis 1955) ließ man sich in seinem neuen Outfit fotografieren. Von Heinrich Heidersberger. Doch nicht nur Modefotografie ist dabei: „Den Begriff Portrait haben wir bewusst sehr weit gefasst“, erzählt Gonda. „Es sind auch Künstlerportraits, Ganzkörperaufnahmen, Akte, Werbefotografien und sogar ein Selbstportrait dabei, in dem sich Heidersberger als Maler mit Pinsel darstellt.“ Ähnlich bunt muss es auch in Heidersbergers Fotostudio zugegangen sein. Tatsächlich sind in der Ausstellung alle möglichen, also nicht nur lustige Menschen zu sehen, die damals in Braunschweig gewohnt haben. Von der arbeitsuchenden Witwe Lydia Buttkereit über Frl. Ernest, das mit seinem Gesicht in der Werbung für den Braunschweiger Klavierhersteller Grotrian- Steinweg zu sehen war, bis zum Oberbürgermeister Ernst Böhme. Deswegen können sich die Besucher in einem Gästebuch eintragen, wenn sie jemanden erkannt haben.

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