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Der EHC-Erfolgscoach

Interview mit Toni Krinner

Mit vergleichsweise niedrigem Budget spielten sich die Grizzly Adams in der aktuellen Saison souverän an die Tabellenspitze heran und belegten zeitweise einen hervorragenden dritten Platz. Der Einzug in die Play-Offs scheint realistisch. Zum Ende der Saison wird Erfolgs-Coach Anton „Toni“ Krinner vom aktuellen Co-Trainer Pavel Gross abgelöst. indigo sprach mit Krinner über die laufende Spielzeit.

Wie würden Sie sich selbst als Team charakterisieren?
Wir sind darauf angewiesen, dass wir als Kollektiv und sehr diszipliniert auftreten und sehr gut im System arbeiten, da wir von unserem Budget und unseren Möglichkeiten her nicht so viel Talent verpflichten können, wie das andere Mannschaften vielleicht machen. Darum müssen wir mit anderen Dingen kompensieren, mit Topfitness, Disziplin und sehr starkem Charakter im Team.
Wie ist Ihre Zwischenbilanz für die aktuelle Saison?
Zeitweise waren wir punktgleich mit dem Tabellendritten. Wenn das so weitergehen würde, wäre das ein überragendes Ergebnis, das in Zukunft mit dem gleichen Budget sehr schwer zu toppen sein wird. Im Budgetranking stehen wir in der Liga ungefähr an zehnter Stelle. Unser Saisonziel ist es dementsprechend, uns den zehnten Platz zu erarbeiten, da dieser für die Play-Offs qualifiziert.
Bärenführer Toni Krinner hat seine angriffslustigen Grizzlys im Griff
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Welcher Platz wäre zum Saisonende realistisch?
Da die Liga so eng zusammenliegt, ist aus meiner Sicht ein Platz zwischen sieben und zehn realistisch. Das sollten wir schaffen können, wenn die Mannschaft gesund und von Verletzungen verschont bleibt, das heißt, unsere Schlüsselspieler nicht lange ausfallen.
Auf welche Spiele freuen Sie sich besonders?
Natürlich ist es immer schön, zu Hause vor unseren Fans zu spielen, die uns immer unterstützen. Besonders in den Derbys sind Stimmung und Atmosphäre toll. Wenn wir bei den Play-Offs dabei wären, wäre das das Fleisch in der Suppe und da wollen wir natürlich hin.
In welcher Form unterstützen Sie die Wolfsburger Fans?
Sie sind immer sehr engagiert, sie sind sehr, sehr fachkundig. Sie sind damit einverstanden, wenn wir verlieren, und sie sehen, dass wir hart gearbeitet und alles versucht haben. Dann verzeihen sie uns auch eine Niederlage. Das rechne ich den Fans sehr hoch an. Sie haben ein sehr feines Gespür dafür, wenn wir zu wenig tun. Das hat es auch schon gegeben. Wenn wir zu wenig Engagement, zu wenig Leidenschaft gezeigt haben, spürt man das auch bei den Zuschauern, und das ist berechtigt. Aber ich glaube, die Chemie zwischen Mannschaft und Zuschauern passt.
Wo sehen Sie die deutschen Spieler im internationalen Vergleich?
Wir haben schon gute deutsche Jungs. Wir haben fleißige und engagierte Spieler. Es ist aber klar, dass wir von der Nachwuchsarbeit her den Eliteländer meilenweit hinterherhinken. Da brauchen wir nicht drumherum reden. Bei uns ist es leider Gottes so, dass zu wenig finanzielle Mittel und qualitative Manpower in den Nachwuchs einfließt, und daran muss man arbeiten. Das ist eine Krankheit schon die letzten 20 bis 30 Jahre. Es ist ein langfristiges Projekt, und irgendwann muss man es intensiv anpacken. So könnte man vielleicht die Lücke schließen.
Wie schätzen Sie die Chancen des deutschen Teams bei der WM ein?
Beim Deutschland-Cup haben sie sich sehr gut präsentiert, herausragend, möchte ich sagen. Drei Spiele richtig gutes Eishockey. Sie haben nicht nur gekämpft, sondern auch gut gespielt. Die nächste große Maßnahme ist die Olympiade. Da sind auch unsere Spieler aus Übersee dabei. Wir haben ein paar gute Spieler in Nordamerika, die die Mannschaft für Olympia qualitativ verstärken werden. Im eigenen Land eine WM zu spielen, da muss sich jeder Spieler bewusst sein, dass das für ihn vielleicht einmal in seiner Karriere vorkommt. Da muss er das Eis fressen und alles dafür geben, dass die WM für Deutschland gut läuft.
Hat sich Eishockey allgemein in den letzten Jahren verändert?
Es ist athletischer geworden, viel laufintensiver. Spieler, die vor sechs, sieben Jahren gespielt und läuferische Defizite gehabt haben, würden heute keine Chance mehr haben. Sie würden sich nicht mehr durchsetzen können. Eishockey ist viel schneller geworden und das ist der größte Unterschied.
High-Speed-Torwart: Jochen Reimer verteidigt gegen Düsseldorf
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Wo trifft man Wolfsburger und Spieler an, wenn sie nicht gerade auf dem Eis sind?

Da wir sehr viel arbeiten und sehr viel Energie in unsere Spiele einbringen, wird man uns im Nachtleben eher selten treffen. Vielleicht den ein- oder anderen Spieler mal, wenn wir ein Spiel gewonnen haben, aber da werde ich die Interna natürlich nicht verraten, weil ich auch das ein- oder andere Mal ein Auge auf unsere Spieler werfe. Sie sollen das nicht unbedingt so genau wissen, dass ich weiß, wo sie sind (lacht). Ich muss sagen, ich bin nicht derjenige, der in Discos abhängt. Ich mag es lieber ein bisschen ruhiger.
Was schätzen Sie allgemein an der Stadt Wolfsburg?
Es ist eine Sportstadt. In den letzten Jahren ist sehr viel passiert. Wir konnten uns in der höchsten Liga etablieren, nicht nur als Mitläufer, sondern wir machen gute Spiele. Wir sind im Moment in aller Munde im deutschen Eishockey. Wir haben herausragenden Fußball mit der Deutschen Meisterschaft und der Champions League. Der VfL hat einen hervorragenden Job gemacht, gestartet mit Felix Magath, und Armin Veh führt das fort. Großen Respekt vor dieser Leistung, besonders wenn man bedenkt, dass sie vor vier Jahren um den Abstieg gespielt haben. Die Stadt an sich arbeitet immer mehr daran, ihren Bürgern mit Projekten im Freizeitbereich etwas zu bieten. Das ist nicht einfach, die Stadt ist erst siebzig Jahre alt. Es geht nicht alles von heute auf morgen, Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Aber es passiert hier sehr viel und die Lebensqualität in Wolfsburg nimmt zu.
Herr Krinner, wir danken für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg für alle kommenden Spiele!

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